Wo und mit wem soll ich gebären? Ein Guide

Welches ist der richtige Geburtsort? Und kommt es wirklich darauf an? Wieso sollte ich nicht einfach ins nächstgelegene Spital gehen? Diese Frage stellen sich die allermeisten Schwangeren. Als Doula kann ich ganz klar sagen: Ja, es kommt darauf an.

Allerdings fehlt es Menschen, die nicht professionell mit Geburt zu tun haben, ganz klar an Wissen, worauf man achten sollte, wenn man sich damit auseinandersetzt, wie das eigene Kind zur Welt kommen soll und welches der geeignete Geburtsort ist. In diesem Text versuche ich einen Überblick über die Schweizer Geburtskultur zu schaffen und zu vermitteln, was es zu bedenken gibt.

Wo gebäre ich sicher?

Hierzulande kommen die allermeisten Kinder in Spitälern zur Welt. Ganze 98 Prozent aller Frauen haben im Jahr 2020 ihre Babys in Kliniken bekommen. Viel weniger Frauen bekommen ihre Kinder in Geburtshäusern – und noch weniger zu Hause. Aber warum ist das so?

Man könnte annehmen, dass es auf der Hand liegen muss, dass die Geburt im Spital klare Vorteile mit sich bringt. Besonders das Sicherheitsbedürfnis ist für viele Frauen ausschlaggebend, die sich für die Geburt in der Klinik entscheiden. Erst kürzlich hat ein Artikel im Stern-Magazin hohe Wellen geschlagen, in dem der Chefarzt der Geburtshilfe der Berliner Charité, Wolfgang Henrich, gesagt hat, dass er die ausserklinische Geburtshilfe am liebsten verbieten lassen würde. Seiner Meinung nach sei Geburt unvorhersehbar und für Eventualitäten sei man nur in einer Klinik richtig aufgestellt.

Dass ein hochrangiger Chefarzt öffentlich so klare Stellung bezieht, erweckt den Eindruck, dass es grobfahrlässig oder äusserst egoistisch sei, sein Kind an einem anderen Ort als in der Klinik zur Welt zu bringen. Nun: Nein. Es lohnt sich, andere Perspektiven zu betrachten. Denn die Meinung von Wolfgang Henrich ist genau das: Eine! Perspektive, die aus jahrelangem Fokus auf Pathologie – also darauf, was ungesund oder «falsch» läuft – gewachsen ist.

Stillen wird heute an fast jedem Geburtsort gefördert, egal ob man sein Kind im Geburtshaus oder Spital zur Welt bringt
Foto de Wren Meinberg en Unsplash

Bekannte Hebammen haben Henrich laut widersprochen und auf aktualisierte Forschungsergebnisse zur Hausgeburt hingewiesen, die bestätigen, dass ausserklinische Geburten für sogenannte Low-Risk-Schwangere gleich sicher sind. Die genannte Studie hält auch fest, dass es im Klinikumfeld zu deutlich mehr Interventionen kommt – eben weil man dort versucht, jedes Risiko zu minimieren, dadurch aber in Kauf nimmt, den natürlichen Verlauf von Geburt zu stören.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die Geburt im Geburtshaus oder zu Hause gleich sicher ist, wenn die Schwangere und das Kind gesund sind und die Schwangerschaft unproblematisch verläuft.

Dennoch empfinden die meisten Menschen Geburt als etwas Gefährliches, was man überwachen und kontrollieren muss. Wieso ist das so?

Um die Geburtskultur in der Schweiz zu verstehen, lohnt es sich, einen geschichtlichen Exkurs zu machen. Denn die Geburt in der Klinik und mit dem Fokus aufs Pathologische – also darauf, was alles schlecht laufen und daneben gehen könnte – ist eigentlich eine ganz neue Erfindung.

Medizinisierung der Geburt

Bis vor etwas weniger als 150 Jahren war es viel normaler, zu Hause zu gebären als in einer sogenannten Entbindungsstation. Wenn man auf die Menschheitsgeschichte zurückblickt, dann wird klar, dass Frauen immer mit der Unterstützung anderer Frauen geboren haben. Und: dass die Medizin sehr lange von der Geburt getrennt geblieben ist.

Als Doula finde ich diesen Aspekt sehr spannend, da ich in meiner Arbeit immer wieder damit konfrontiert werde, das Schwangere sich als Patientinnen sehen, denen «geholfen» werden muss, und nicht als durch und durch gesunde Menschen, die durch eine besondere Phase gehen.

Heilerinnen wurde der Bereich der Krankheit recht bald genommen. Erst waren es dann Mönche, danach vor allem Ärzte, die für alles Pathologische zuständig waren. Nur Geburt galt weiterhin als natürlicher Vorgang, der in Frauenhände gehörte und deshalb von Hebammen betreut wurde. Im Zuge der Aufklärung hatten sich Ärzte und Chirurgen für die Geburtshilfe zu interessieren begonnen. Um den Ablauf der Geburt erforschen zu können, gründeten die Mediziner sogenannte Entbindungsstationen, in denen Frauen, die sich keine Hebamme leisten konnten, gebären konnten.

Hier beginnt die Medizinisierung der Geburt und die Kultur der unnötigen Intervention. Geburtsmechanik wurde an den Frauen erforscht und mechanische Interventionen an ihren Körpern geübt. Nach und nach wurden neue Methoden zur Schmerzlinderung getestet und kompliziertere Interventionen, wie der Kaiserschnitt, erprobt. Noch vor hundert Jahren wurden Gebärende für die Observation der Geburt ihrer Kinder «vorbereitet» – sie wurden rasiert und in die Rückenlage gezwungen, von wo aus die Mediziner eine bessere Sicht aufs Geburtsgeschehen hatten.

Die Medizinisierung der Geburt hat einige Vorteile mit sich gebracht und das Sterberisiko bei schweren Geburten deutlich gesenkt. Als Doula bin ich froh, dass der Kaiserschnitt erfunden wurde und meine Klientinnen mit Präeklampsie (früher auch Schwangerschaftsvergiftung genannt) behandelt werden können. Und doch gibt es einige Nachteile, vor denen wir die Augen nicht verschliessen sollten.

So ist die Geburtshilfe noch immer sehr kultur- und nicht etwa evidenzbasiert.

Das heisst, dass es wenig Forschung darüber gibt, ob die Tools, mit welchen die Medizin auf die Geburt einwirkt, wirklich den Verlauf vereinfachen oder einen positiven Nutzen bringen. Tatsächlich ist es sogar so, dass es gewisse Forschungsergebnisse dazu gibt, dass gewisse Interventionen eben nicht nützlich sind – so zum Beispiel das regelmässige Ertasten und Beurteilen des Muttermundes und das Aufzeichnen des Verlaufs in ein Partogramm. Dennoch wird genau dies standardmässig in fast jeder Klinik gemacht.

Das Geschäft mit der Geburt

Die Geburtshilfe steht heute an einem Punkt in der Geschichte, an dem der Fokus vom Physiologischen zum Pathologischen gewechselt hat. Wir betrachten Geburt nun immer mit dem Hauptaugenmerk darauf, was schief gehen könnte, und denken nicht mehr in Chancen.

Gleichzeitig müssen Kliniken gewinnbringend arbeiten und sparen an allen Ecken und Enden. Eine physiologische Geburt ist nicht lukrativ, denn sie dauert relativ lange, ist nicht planbar und – wenn man eben nicht eingreift – können kaum Eingriffe verrechnet werden. Im Vergleich ist ein Kaiserschnitt, der planbar, schnell und eben eine Operation ist, viel gewinnbringender.

Kaiserschnittskultur

Innerhalb von wenigen Jahrzehnten hat sich die Kaiserschnittrate in der Schweiz verdoppelt. Heute liegt sie bei 32 Prozent. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist eine Kaiserschnittrate von maximal 10 Prozent medizinisch notwendig und vertretbar. Alles, was darüber liegt, bringt unnötige Risiken für Mutter und Kind mit sich.

Als Doula begleite ich auch Frauen, die sich einen Kaiserschnitt wünschen, und möchte an dieser Stelle festhalten, dass es absolut okay ist, sich für eine Bauchgeburt zu entscheiden. Aber ich möchte auch darauf hinweisen, dass wir uns darüber im Klaren sein müssen, dass sich die allermeisten Frauen nicht aus freien Stücken und transparent informiert für eine Sectio entscheiden – sondern eben auch aufgrund der medizinisierten Geburtskultur. Aufgrund von der Darstellung von unrealistischen und dramatisierten Geburtsszenarien in der Popkultur. Wegen fehlender, eigener Bildern von Geburt.

Aufgrund der Traumata unserer Mütter und Grossmütter, die in einem Geburtshilfesystem geboren haben, in dem das psychische Wohl von Frauen und ihrer Kinder keine Rolle spielte.

Viele Frauen sind von Grund auf verängstigt und lassen sich von ihrer Gynäkolog:in und nicht etwa von einer Hebamme, der Fachfrau für die physiologische Schwangerschaft, begleiten. Das zwingt Schwangere, die Brille aufs Pathologische zu übernehmen.

Heute werden zu viele Kinder per Kaiserschnitt geboren, was die WHO bestätigt.
Foto de Christian Bowen en Unsplash

Ein Beispiel: Während Ultraschalluntersuchungen werden Schwangere immer wieder in ihrer Entscheidung, vaginal gebären zu wollen, verunsichert: Denn wer jedes Mal zu hören bekommt, dass das Kind doch schon eher gross sei, wird immer nervöser, je näher der Geburtstermin rückt. (Übrigens ist das ermittelte Gewicht des Kindes durch den Ultraschall nie präzise und weicht in der Regel mehrere hundert Gramm von dem eigentlichen Gewicht des Kindes ab.) Eine angstbasierte Entscheidung für einen Kaiserschnitt, der auch Risiken und Nachteile mit sich bringt, ist keine freie Entscheidung.

Wissen ist Macht

Damit man sich frei für die eine oder andere Art der Geburt entscheiden kann, ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Geburt essenziell. Es gibt viele wunderbare Bücher, die das Phänomen der Geburt in der Tiefe erklären und vermitteln. Dennoch ist die Geburtskultur in den verschiedenen Spitälern sehr von den dort arbeitenden Menschen abhängig. Deshalb empfehle ich jeder Frau, sich Unterstützung von einer freischaffenden Hebamme oder Doula zu holen, die einen schon während der Schwangerschaft berät und vielleicht auch dabei hilft, den passenden Geburtsort auszusuchen. 

Hebammen

In der Schweiz hat jede Schwangere Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme und das – was die meisten Frauen leider nicht wissen – ab Beginn der Schwangerschaft. Der Vorteil von einer alternierenden Kontrolle durch Gynäkolog:in und Hebamme ist aus meiner Sicht, dass hier das Gleichgewicht von pathologischer und physiologischer Perspektive eher gewahrt bleibt.

Hebammen arbeiten in der Schweiz in unterschiedlichen Modellen. Zum einen gibt es die Möglichkeit, eine Beleghebamme zu engagieren. Beleghebammen unterstützen einen bei einer geplanten Hausgeburt oder in einem Spital, in dem sie akkreditiert sind. Der Vorteil ist hier, dass man die Person, die einem zur Seite steht, bereits kennt und ein Vertrauensverhältnis etablieren konnte. Leider gibt es aber nur relativ wenige Beleghebammen. In der Stadt Zürich sind es derzeit nicht einmal eine Handvoll.

Die meisten Hebammen arbeiten im Angestelltenverhältnis in einem Spital oder einem Geburtshaus, wo sie Gebärenden im Schichtdienst zur Seite stehen. So kann es durchaus sein, dass man zwei oder auch drei Hebammen kennenlernt, während man sein Kind zur Welt bringt. Im Wochenbett sollte jede Frau eine Wochenbetthebamme haben, die zur Frau nach Hause kommt und kontrolliert, ob es der Frau, aber auch dem Kind, gut geht.

Doulas

Doulas arbeiten immer auf selbstständiger Basis und haben im Unterschied zur Hebamme keine medizinischen Kompetenzen. Der Begriff Doula kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet lose übersetzt «Dienerin der Frau». Doulas sind eine Antwort auf die Medizinisierung der Geburt und auf das Wegfallen des «Tribes», also das unterstützende Umfeld, das sie auf professioneller Ebene ersetzen. Es ist eine Lücke entstanden, da sich kaum mehr jemand um die emotionalen, mentalen, psychologischen und spirituellen Prozesse kümmert, durch die werdende Eltern gehen. Diese Lücke füllt die Doula.

Wer sich für eine Begleitung durch eine Doula interessiert, sollte sich bewusst sein, dass Doulas recht unterschiedlich arbeiten. So habe ich mich hauptsächlich auf die pränatale Begleitung spezialisiert und eine eigene Methode zur Geburtsvorbereitung entwickelt, in der ich Frauen beibringe, wie sie mit gezielten Atem- und Entspannungsübungen mit dem Geburtsschmerz umgehen können. Als Geburtsbegleiterin bin ich vier Wochen rund um den Geburtstermin meiner Klientin auf Abruf. Da mich dies in meinem Privatleben sehr stark einschränkt, begleite ich nur noch gezielt Frauen, die sich intensiv mit mir vorbereiten und auch in der Schwangerschaft viel Verantwortung übernehmen wollen.

Eine natürliche Geburt kann an jedem Geburtsort gefördert werden. Wichtig ist dafür, dass schwangere Frauen gut informiert sind.
Foto von Fanny Renaud auf Unsplash

Neben Geburtsbegleiterinnen gibt es auch Doulas, die sich beispielsweise stark auf die Arbeit nach der Geburt fokussieren und Wöchnerinnen zur Seite stehen. Wichtig finde ich zu betonen, dass Doulas kein Hebammenersatz sind. Immer wieder gibt es leider auch unter den Doulas schwarze Schafe, welche trotz fehlender medizinischer Kompetenz Alleingeburten begleiten. Dies ist für eine Gebärende gefährlich – und für die Akzeptanz des Berufs der Doula höchst problematisch. Es lohnt sich deshalb, deine Doula zu Beginn nach ihrer Arbeitsweise zu fragen.

Welcher Ort ist denn nun der richtig?

Nun hast du viele Informationen, die du brauchst, um zu entscheiden, welche Art der Geburt die für dich richtige ist. Du siehst aber: Es ist gar nicht so einfach, durchzublicken und zu entscheiden, welches der geeignetste Geburtsort ist. Ich versuche dir dennoch einen kleinen roten Faden zu liefern, an dem du dich entlanghangeln kannst.

  1. Wenn du mit einer Doula arbeiten möchtest, kannst du sie schon zu Beginn deiner Schwangerschaft engagieren. Sie begleitet dich als Coach für deine Schwangerschaft durch die ganze Phase hindurch und unterstützt dich dabei, die für dich richtigen Entscheidungen zu treffen.
  2. Melde dich bei einer Hebamme, wenn du deine Schwangerschaftskontrollen alternierend oder ganz durch Hebammen durchführen lassen willst.
  3. Entscheide dich für einen Geburtsort und ein Geburtsmodell: Wenn du gesund bist und deine Schwangerschaft unproblematisch verläuft, dann stehen dir alle Optionen frei. Wenn bei dir mit einem erhöhten Risiko für dich oder dein Kind gerechnet werden muss, dann wirst du vermutlich in einem Spital gebären. Aber auch hier lohnt es sich, die verschiedenen Optionen durchzugehen:
  • Hausgeburt mit Hausgeburtshebamme (und Doula)
    Eine Hausgeburt ist wie gesagt unter gewissen Voraussetzungen gleich sicher wie eine Spitalgeburt. Grundsätzlich sollten nur termingerechte Babys in Kopflage zu Hause geboren werden und die Schwangerschaft sollte gänzlich unproblematisch verlaufen sein. Wenn du eine Hausgeburt planst, ist es empfehlenswert, dass du dir deine Hebamme schon früh suchst.
  • Geburt im Geburtshaus mit Hebamme (und Doula)
    Im Geburtshaus wirst du von Hebammen betreut, die auch schon die Schwangerschaftskontrollen übernehmen können. Der Vorteil ist hier ein hausgeburtsähnliches Ambiente. Geburtshäuser arbeiten meist eng mit Spitälern zusammen, in die sie auch verlegen, wenn die Geburt Anzeichen macht, problematisch abzulaufen. Auch hier kann man nur unter gewissen Voraussetzungen gebären. Grundsätzlich gilt auch hier: Wer eine unproblematische Schwangerschaft hatte, selbst gesund ist und ein termingerechtes Kind in Schädellage erwartet, kann im Geburtshaus gebären.
  • Geburt im Spital mit Beleghebamme
    Nicht jedes Spital bietet dieses System an. Wer in einem Spital mit der eigenen Beleghebamme gebären will, sollte sich deshalb vorab informieren und eine Beleghebamme frühzeitig engagieren. Beispielsweise gibt es im Zürcher Stadtspital Triemli derzeit drei (!) Beleghebammen, die dementsprechend früh ausgebucht sind.
  • Geburt im Spital im Modell der hebammengeleiteten Geburt
    Auch hier muss man sich bewusst sein, dass nicht alle Spitäler dieses Modell anbieten. Die hebammengeleitete Geburt ist ein Modell, in welchem die komplette Geburt von Hebammen begleitet wird und keine Ärzt:innen zugezogen werden. Falls die Geburt pathologisch würde, stehen im Hintergrund aber Ärzt:innen bereit.
  • Geburt im Spital mit Hebamme und Ärzt:in (und Doula)
    Dieses Modell ist wahrscheinlich das gängigste. Hier kommt die Gebärende ins Spital und wird von den diensthabenden Hebammen und Ärzt:innen während der Geburt begleitet.
  • Geburt im Spital mit Hebamme und Belegärzt:in (und Doula)
    Viele Privatspitäler bieten dieses Modell an, in dem die Gebärende die eigene, akkreditierte Gynäkolog:in zur Geburt mitbringt. Allerdings wird man hauptsächlich von den dort angestellten Hebammen unterstützt, solange die Geburt physiologisch abläuft. Als Doula empfehle ich dieses Modell besonders dann, wenn man ein gutes Verhältnis zu seiner Gynäkolog:in hat und ihr vertraut. Wenn man sich jedoch von der eigenen Ärzt:in an eine andere Gynäkolog:in weiterverweisen lassen muss, weil die eigene ÄrztIn nicht akkreditiert ist, ist mir der Mehrwert dieses Modells etwas schleierhaft.
  • Geplante Bauchgeburt im Spital
    Wer einen Kaiserschnitt plant, der begegnet während der Geburt mehreren medizinischen Fachpersonen. Den Lead über die Geburt hat die Gynäkolog:in, die auch die Operation durchführt. Zusätzlich wird man mit einer Ärzt:in aus der Anästhesie zu tun haben, welche die Narkose (meistens eine Spinalanästhesie) durchführt und überwacht. Die Hebamme ist bei einer Sectio auch dabei und für Mutter und Kind da. Zu einem geplanten Kaiserschnitt darf eine Begleitperson mitgebracht werden.

Zuletzt finde ich es wichtig, dass man sich mit der jeweiligen Geburtskultur des Ortes auseinandersetzt – denn Spital ist nicht gleich Spital. Ein kleines Beispiel: Wer vor den Wehen einen Blasensprung hat, bekommt in unterschiedlichen Kliniken unterschiedlich lange Zeit, bevor die Spitalpolicy eine Einleitung vorschreibt. Es gibt Kliniken, die nach 12 Stunden, andere, die erst nach 72 Stunden mit einer Einleitung beginnen.

In beinahe jeder Klinik wird zudem ein Hebammengespräch angeboten – teilweise proaktiv, teilweise muss man sich selbst danach erkundigen. Dieses Gespräch kann man dazu nutzen, offene Fragen zu stellen, aber eben auch, die Geburtswünsche anzubringen, die dann notiert und den Akten beigelegt werden. So wissen die diensthabenden Hebammen dann, welche Punkte der Gebärenden wichtig sind.

Geburtsvorbereitung

Oft ist es aber nicht einfach, die Geburtskultur zu erfragen – besonders wenn man das erste Baby erwartet. Denn: Man weiss schlichtweg gar nicht, nach was man fragen muss. Hier kann ein guter Geburtsvorbereitungskurs helfen. In meinem Geburtsvorbereitungskurs bespreche ich die verschiedenen Geburtsszenarien im Detail mit den Frauen und erkläre ihnen, wie diese unterschiedlich gehandhabt werden.

Ein Beispiel: Wie oben beschrieben, gibt es eine Studie, die nahelegt, dass das regelmässige Tasten des Muttermundes nicht dazu geeignet ist, den Fortschritt der Geburt zu beurteilen. Wer also keine regelmässigen und standardisierten, vaginalen Untersuchungen haben möchte, sollte im Vorfeld in der Klinik nachfragen, ob dieser Wunsch berücksichtigt wird.

Wenn du die volle Verantwortung für deine Geburt übernimmst, kommen Hebammen und Ärzt:innen nicht in die Position, in der sie für dich Entscheidungen treffen müssen, die vielleicht nicht in deinem Sinne sind. Deshalb empfinde ich die Geburtsvorbereitung und Auseinandersetzung mit der Geburt als essentiell. Zudem lernst du in den Kursen Tools, die dir im Umgang mit dem Wehenschmerz helfen.

Es kommt meiner Meinung nach sehr wohl darauf an, wie wir gebären. Eine Geburt ist nicht nur die Geburt eines Kindes, sondern auch die einer Mutter. Alles Gute!

Titelbild von Rebekah Vos auf Unsplash

Autorin

Nadja Brenneisen ist Journalistin, Doula und Yogalehrerin und seit 2022 fester Bestandteil von Anyworkingmom. Davor war Nadja journalistisch für vice und watson als Reporterin tätig. Heute schreibt sie besonders über Mütter- und Geburtsthemen, mit denen sie als Geburtsbegleiterin in Berührung kommt. Nadja lebt mit ihrem Mann, Sohn und zwei Katern in Zürich.

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Ein Kommentar zu “Wo und mit wem soll ich gebären? Ein Guide

  • Hallo Nadja. Danke für deinen Text. Könntest du die erwähnten Studien (bspw zu den Untersuchungen des Muttermundes u.a.) zitieren? Wenn mit Studien argumentiert und somit Wissenschaftlichkeit suggeriert wird, sollten die Quellen dazu auch aufgeführt werden. Vielen Dank! Liebe Grüße Berta

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