Vier Fehlgeburten in zwei Jahren – ein Erfahrungsbericht

Ja, das ist mir passiert.

Fehlgeburten sind ein sehr heikles und persönliches Thema. Wobei: heikel – warum eigentlich? Wird einem das von der Gesellschaft eingeredet? Ist es ein Tabuthema, weil kaum jemand öffentlich darüber spricht? Weil man sich schämt? Weil eine Schwangerschaft in den ersten zwölf Wochen unter dem Deckel gehalten wird aufgrund der Risiken?

Sollte man vielleicht nicht genau deshalb früh darüber sprechen? Öffentlich, ohne Scham, und ohne Zögern? Deshalb tue ich es hier.

Wir sind noch nicht komplett.

Mein Sohn ist jetzt vier Jahre alt. Schon seit über zwei Jahren ist der Wunsch da, ein Geschwisterchen für ihn zu bekommen. Da schlummert ein Gefühl in mir, noch nicht komplett zu sein. Mein Mann sieht das genauso. Es hat noch Platz in unseren Herzen, in unserer Familie und in unserem Haus.

Im Juni 2017 wurde ich zum zweiten Mal schwanger. Die Freude war gross! Es war der absolut richtige Zeitpunkt: Der Hausumbau war in vollem Gange, der Umzugstermin geplant. Auch der Altersabstand zum ersten Kind schien ideal. Es war einfach perfekt und stimmig für uns!

Ein positiver Schwangerschaftstest verändert alles, niemand denkt da ein eine Fehlgeburt. www.anyworkingmom.com
Schwanger! Ein Wunsch geht in Erfüllung. (Bild: Pixabay/Julia Fiedler).

Einige Tage nach der freudigen Nachricht: die Ernüchterung.

Ich hatte Blutungen, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Eine Fehlgeburt.

Es wäre ein vollbepackter Arbeitstag gewesen, mit unzähligen Sitzungen und Gesprächen. Komplett im Funktionsmodus fuhr ich zum Gynäkologen, nur, um nach meinem Abort weiterzuarbeiten. Ich tat, als sei nichts. Erst zu Hause folgte der Zusammenbruch. Die Natur hat es geregelt, sagte ich mir. Eine Fehlgeburt in der sechsten Schwangerschaftswoche. Da kann man nichts machen, nichts stoppen, nicht eingreifen. Man muss es hinnehmen und akzeptieren.

Und trotzdem, mir ging so viel durch den Kopf: “Warum? Wieso ich? Es wäre der perfekte Zeitpunkt! Ich bin langsam zu alt! Es muss doch jetzt einfach klappen. Es ist so gemein. Wieso klappts bei allen anderen?” Ich fühlte mich elend und total allein gelassen. Mein Mann war zwar auch traurig. Doch was ist ein Teststäbchen mit zwei Strichen in den Augen eines Mannes, der keine hormonelle Achterbahnfahrt kennt?

Der Kinderwunsch blieb.

Es folgte ein Kreislauf aus Hoffnung und Enttäuschung – Monat für Monat. Wir versuchten es immer wieder. Und immer wieder wurden unsere Hoffnungen zerschlagen. Alles hat sich nur noch um das eine Thema gedreht. Aus dem liebenden Ehepaar wurde eine Baby-Produzier-Maschine, die nicht funktionierte. Unser unermüdliches Versuchen entwickelte sich zum Stressfaktor.

Im Dezember 2017 geschah es dann doch: Ich hielt einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Was für ein zauberhaftes Weihnachtsgeschenk! Die Freude war riesig! Vielleicht war der Zeitpunkt jetzt noch besser, sagte ich mir, denn der ganze Umbau- und Umzugsstress war vorbei und wir waren angekommen. Einige Schwangerschaftssymptome machten sich rasch bemerkbar: Ich wurde müde, schlapp und träge. Ich war positiv gestimmt und machte mir (noch) keine Sorgen. Ich genoss das Schwangersein und zelebrierte es – und fieberte dem ersten Termin beim Frauenarzt entgegen.

Nicht intakt.

Die Schwangerschaft sei nicht intakt, meinte mein Gynäkologe. Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft. Die finale Diagnose stand noch aus, auch heute weiss ich nicht mehr, denn auch ein zweiter Ultraschall brachte keine Klärung, nur die Gewissheit: Die Fruchtblase war leer.

Medikamentöse Austreibung also. Ich schluckte Tabletten, die die Ausschwemmung der leeren Fruchthöhle veranlassen. Das kann wehenartige Krämpfe und Schmerzen verursachen, die ich gottseidank als nicht so heftig empfand. Trotzdem lag ich eine Stunde lang mit Bauchkrämpfen auf dem Sofa, bekam dann Blutungen und einige Stunden später sah ich, was aus meinem Körper hinausgespült wurde.

Mein zweieinhalbjähriger Sohn war bei mir. Er verstand nicht, was mit Mami los war – warum seine Mutter heulend auf dem Sofa lag. Stundenlang guckten wir “Feuerwehrmann Sam”.

Eine Fehlgeburt ist mit grossem, seelischem Schmerz verbunden. www.anyworkingmom.com
Was stimmt mit meinem Körper nicht?  (Bild: Pixabay/milli_lu)

Nach all diesen körperlichen (und seelischen) Strapazen entschloss ich mich dazu, mir und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Ich gönnte mir Vitamine, Vitalstoffe und Mineralien und zudem eine Entschlackungskur. Ich wollte fit, frisch und voller Elan in den Frühling – und somit in einen neuen Versuch starten. Mein Mann und ich beschlossen, uns eine dritte Chance zu geben.

Noch hatte die Angst keine Überhand gewonnen.

Mitte April 2018 dann eher überraschend wieder ein positiver Test. Wir freuten uns wahnsinnig. Doch dann kam sie, die Angst. So, dass ich mich nicht ehrlich freuen konnte und die Gedanken an die Schwangerschaft immer wieder verdrängte.

Der erste Ultraschall-Termin stand an. Diesmal wollte ich auf jeden Fall meinen Mann dabeihaben. Ein drittes Mal alleine mit gebrochenem Herzen aus dieser Arztpraxis – nein, auf gar keinen Fall! Die Nervosität stieg, wir konnten aber schnell den erlösenden, blinkenden Punkt auf dem Monitor sehen. Das Herzchen schlug!

Und dann doch: das “Aber”. Der Entwicklungsstand des Fötus sei nicht so, wie er hätte sein sollen. Ich wurde knapp zwei Wochen nach hinten korrigiert. Ein Schlag in die Magengrube. Die Angst. Dass darf doch alles nicht wahr sein.

Der Arzt meinte, das komme häufig vor. Es sei noch kein Grund zur Sorge. Trotzdem liess mich ein komisches, negatives Gefühl nicht los. Mein Mann – ewiger Optimist – machte mir Mut. Wir fuhren übers Wochenende weg, lüfteten den Kopf.

Eine Woche später bekam ich Blutungen.

Erst nur leichte Schmierblutungen. Es war Sonntag und ich machte mir grosse Vorwürfe, weil ich am Tag zuvor gröbere Gartenarbeiten gemacht hatte. Natürlich googelte ich. Das müsse nichts bedeuten, hiess es. Es könne harmlos sein.

War es aber nicht. Und so kam ich tatsächlich das verfluchte dritte Mal als Häufchen Elend zur Praxis raus. Alleine, da Notfall.

Ich hatte mein Kind verloren.

Das Herzchen hatte aufgehört zu schlagen. In der neunten Schwangerschaftswoche. Einfach so. Es hiess, eine sofortige operative Auskratzung sei nötig. Also direkt wieder ins Spital.

Es folgte eine manuelle und wortlos durchgeführte Ausschabung ohne Betäubung. Die Ärztin meinte, eine Operation sei nicht nötig, “da kommt einem ja alles entgegen”. Es war ein Eingriff mit Schmerzen ohne Ende, ich hatte Angst. Am Ende sass ich heulend im Behandlungsraum und wartete auf die Ärztin. Da kamen zwei Frauen des Reinigungspersonals herein. Anstelle eines Grüezi sagt die eine: “Was ist das für ein Schlachtfeld hier?”

Ich sagte nichts. Ich hatte gerade mein Kind verloren.

Auch wenn ich dieses Mal kein Gift in mich hineinpumpen musste: Die seelischen und psychischen Folgen dieser Fehlgeburt waren viel härter. Keine Empathie, keine Betreuung, keine Hilfestellung in psychischer Hinsicht. Nicht einmal ein paar freundliche oder verständnisvolle Worte vom Spitalpersonal. Nichts. Auf der anderen Seite dieser seelische Schmerz. Dieses Gefühl, alleine zu sein, versagt zu haben. Warum bin ich nicht in der Lage, ein zweites Kind auszutragen?

Was stimmt mit mir und meinem Körper nicht? Was mache ich falsch?

Warum ich? Warum schon zum dritten Mal? Es war ein unbeschreibliches Gefühl der Leere und Lähmung. Verzweiflung. Traurigkeit. Scham.

Vier Fehlgeburten in zwei Jahren. www.anyworkingmom.com
Verzweiflung. Traurigkeit. Scham. (Bild: Jonatán Becerra on Unsplash)

Es war meine Schwägerin, die mir endlich den entscheidenden Tipp gab. Eine Gesprächsgruppe. Quasi die anonymen Alkoholiker für Frauen mit Fehl- oder Totgeburten. Das kam exakt zum richtigen Zeitpunkt und war genau das, was ich brauchte! Austausch mit Frauen, die Ähnliches erlebt hatten! Loswerden. Loslassen. Verstanden werden.

Drei Monate später stand ich wieder auf, nahm mir einiges vor. Für mich stand fest, dass ich mein Blutbild analysieren lasse. Habe ich eine erhöhte Blutgerinnungsgefahr oder andere Mängel? Eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse? Es folgten Arztwechsel, Ultraschall-Untersuchungen, Gebärmutter-Spiegelung, Spermiogramm, Chranio-Sacral Therapie und Gespräche bei einer Psychologin, um nur einige Massnahmen zu nennen. Medizinisch konnte man nichts feststellen. Auf genetische Abklärungen haben wir bis heute verzichtet.

Keine Selbstverständlichkeit

Im November 2018 hielt ich den vierten positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Meine vierte Fehlgeburt war am Samichlaustag 2018. Wieder ein natürlicher Abgang. Unfassbar traurig und mit gebrochenem Herzen, enttäuscht und mit vielen Fragezeichen im Kopf, ging ich durch die wohl schwerste Zeit meines Lebens.

Es geht mir heute gut, meinem Mann auch. Wir vermissen trotzdem etwas – oder jemanden. Wenn ich Babybäuche sehe, gibt es mir einen Stich und tut weh. Manchmal muss ich etwas neidisch wegschauen. Wenn mich jemand fragt: “Wollt ihr denn kein Kind mehr?”, reagiere ich empfindlich und genervt. Wir sind als Familie jedoch näher zusammengerückt und zu einem unschlagbaren Trio geworden.

Bis heute ist ein erneuter positiver Test leider ausgeblieben. Ich bin mittlerweile 40 Jahre alt und wahrscheinlich bleibt es bei einem Einzelkind. Ich finde mich allmählich damit ab. Was mir schmerzlich bewusst geworden ist: Es ist und bleibt ein Wunder der Natur, ein gesundes Kind bekommen zu dürfen. Es ist keine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht ist und bleibt unser Sohn der Sechser im Lotto.

Autorin

Franziska Wildi

Franziska Wildi ist 40 Jahre alt, verheiratet, HR-Fachfrau und Mutter eines vierjährigen Kindergärtlers. Sie ist keine professionelle Schreiberin – aber eine leidenschaftliche. Franziska schreibt über ihren Alltag, Mode-Trends, Beauty-Themen, Do-it-yourself-Ideen und Interior-Produkte. Es sind die schönen Dinge, die ihr Spass machen. In ihrer Freizeit bewegt sie sich am liebsten draussen in der Natur, beim Segeln oder Skifahren, beim Gärtnern oder Spielen mit ihrem Sohn. Auf Instagram findet man Franziska unter @wilderkern.

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16 Kommentare zu “Vier Fehlgeburten in zwei Jahren – ein Erfahrungsbericht

  • Als würdest du meine geschichte schreiben. Nur bin ich nun 41ig.
    Kann dich so gut verstehen!
    Danke fürs teilen!
    Herzliche umarmung!

      Antworten
    • Hallo
      Ich hatte Auch 4 Fehlgeburt immer bei 7 bis 8 Woche 😭😔 seit 2018 bis 2020
      Ich hab deine schreiben gelesen und geweint jede Anzeige Wort dass du geschrieben ich habe mit meine Seele gespürt .wie meine Leben
      Ich bin gerade 5 mal schwanger bei 8 Woche ich habe Angst zu Arzt gehen ich warte ab
      Heute Abend in Internet gegoogelt dass wer wie ich immer Fehlgeburt hat ich habe bis jetzt Niemand gesag dass ich schwanger bin

        Antworten
  • Liebe Franziska, deine Worte gehen mir mitten ins Herz! Bin ich doch auch gezeichnet von 4 Fehlgeburten… nach der 1. Fehlgeburt hatte ich das Glück und bekam unsere Tochter. Wir haben uns so sehr ein Geschwisterchen gewünscht. Wie Ihr hatten wir das Bild von vier und nicht drei Familienmitgliedern, wir waren einfach nicht komplett. Es folgten 3 Fehlgeburten (7., 11. und 15. SSW) inklusive massiver Ehekrise. Das hat uns dazu bewegt den Kinderwunsch zu begraben. Man lernt zu schätzen das es wunderschön ist wie es ist, wenn auch diese Lücke im Herzen bleibt, die nie gefüllt wird…. Ich spreche immer von „den Kindern“, merke es aber erst wenn mich jemand fragt wie viele Kinder ich denn habe. Ja was antworte ich?? „Nur“ eines, inklusive Stich im Herz und schlechtem Gewissen weil man die anderen nicht erwähnt… Mittlerweile geht es mir besser. Der Blickwinkel ändert sich, man akzeptiert wie es ist und plant sein Leben anderst weiter. Ein Tattoo mit symbolischen vier Sternchen lässt mich aber mein Leben lang meine Kinder bei mir tragen ❤️❤️❤️

      Antworten
  • Danke, dass du so offen darüber sprichst. Meine erste Schwangerschaft endete ebenfalls so in der 9ten/10ten Woche, erfahren haben wir es jedoch erst in der vermeintlich 13ten. Mit Medikamenten folgte der Abort und weil nicht alles rauskam, folgte dann doch noch eine Ausschabung. Emotional total vernichtend.
    Im ersten Moment fühlte ich mich ebenfalls ganz alleine, bis dann langsam Geschichten von anderen Fehlgeburten an uns getragen wurden. Die hätten mir im Vorfeld vielleicht etwas geholfen. Deshalb spreche ich nun auch oft und offen über die Fehlgeburt. Es hilft mir und vielleicht auch anderen Frauen (und vielleicht auch Männern). Danke, dass du auch hilfst, dieses Tabu zu brechen! Und alles Gute für dich und dein bärenstarkes Trio!

      Antworten
  • Danke für den berührenden Text, liebe Franziska. Fürs Teilen deiner ehrlichen Gefühle. Ich hab noch immer Tränen in den Augen…. Es lässt diese bittere Erfahrung so wach werden.
    Und ich hatte nur zwei Sternenkinder, deren Herz zu schlagen aufgehört hat.

    Ich finde es ehrlich bewundernswert, wie du mit der Situation umgehst. Wie stark du bist. Und wie du nach vorne schaust und das Positive, Dankbare nicht aus den Augen verlierst.
    Ich wünsche dir nur das Allerbeste… und das dein Herzenswunsch in Erfüllung geht.

    Umarmung, Judith

      Antworten
  • Danke für diesen Artikel! Ich fühle mit dir, wir haben eine bald vierjährige Tochter an der Hand und eine Tochter im Herzen. Der Wunsch nach einem weiteren Kind ist gross, aber ich wurde bis jetzt nicht mehr schwanger. Wie du geschrieben hast, es wird einem schmerzlich bewusst, was man eigentlich weiss, aber trotzdem nicht so richtig wusste: Ein Kind zu bekommen ist ein Wunder und das Leben ist nicht planbar.
    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute.

      Antworten
  • Liebe Franziska

    Danke für deinen ehrlichen und sehr berührenden Bericht. Es ist einfach nur traurig zu lesen, wie viel Leid du in diesen zwei Jahren erfahren musstest.

    Aber schön zu sehen, dass Fehlgeburten je länger je mehr nicht mehr als Tabuthema gelten.
    Nach der Geburt unserer Tochter (2016), erlitt ich zwei Fehlgeburten (2017 und 2018). Und beide Male fühlte ich mich sehr allein. Ich kannte niemanden aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, der ein Kind verloren hatte. Erst später, als ich mich traute darüber zu sprechen, stellte ich fest, wie viele Frauen das gleiche erlebt hatten.

    Wir wünschten uns so sehr ein Geschwisterchen für unsere Tochter, fühlten uns noch nicht komplett… im Freundes- und Bekanntenkreis hiess es aber oft: “Ihr habt ja schon eins, seid doch zufrieden…”
    Glücklicherweise wurde ich jeweils rasch wieder schwanger und war noch relativ jung. So war der Druck nicht ganz so gross. Aber als ich das vierte Mal schwanger wurde, blieb die Angst einer erneuten Fehlgeburt bis zum Schluss. Bei jedem Arztbesuch fürchtete ich mich, dass wieder etwas nicht so ist, wie es sein sollte… ich wartete jeweils nur darauf, das kleine Herzchen schlagen zu hören.

    Heute haben wir 2 gesunde Mädchen und ich bin jeden Tag dankbar für diese beiden Wunder.

    Liebe Franziska, ich wünsche dir und deiner Familie alles alles Liebe. Ich bewundere deine Stärke.

    Anmerkung: Bei meiner Blutuntersuchung vor der vierten Schwangerschaft wurden meine Schilddrüsenwerte als optimal befunden. Direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest also Ende 5. SSW waren die Werte jedoch schon nicht mehr gut und ich musste während der ganzen SS Medikamente einnehmen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann insbesondere in den ersten Schwangerschaftswochen zu Missbildungen und Fehlgeburten führen. Viele Ärzte untersuchen das Blut aber erst bei der ersten Kontrolluntersuchung in der 10. SSW. Es lohnt sich daher auf eine frühe Blutuntersuchung zu bestehen!

      Antworten
  • Liebe Franziska

    Du sprichst ein so wichtiges Thema an. Die vielen Gefühle die auf einen einprasseln, und so schwer zu bewältigen sind. Angst, Trauer, Ungeduld, Traurigkeit, Wut, Bestürzung, Lähmung, Schwermut, Trägheit, Sorge, Trostlosigkeit und so weiter – so viel weiter. Manchmal nacheinander, manchmal alle zusammen.
    Wie soll eine nicht direkt betroffene Person damit umgehen, geschweige denn den benötigten Halt bieten können? Ich habe habe mich damals zurück gezogen. Fühlte mich unverstanden und habe dicht gemacht. Bis zum heutigen Tage wissen nur wenige Freunde von meinen 3 Fehlgeburten innerhalb von 5 Jahren. Eine Selbsthilfegruppe wäre die passende Begleitung gewesen, hätte ich davon gewusst. Danke, dass Du uns nun diese Hilfe ermöglichst.

    Ich hatte mein Urvertrauen verloren. Ein ganz schlimmes Gefühl. Mit 38 Jahren dann, eine erste erfolgreiche Schwangerschaft, mit 40 eine Zweite (die Geburt dann mit 41). Ich galt schon alleine aufgrund des Alters als Risikoschwangere. Schon alleine das Wort hat alle meine Ängste, Phobien und dunkelsten Gedanken gestärkt.

    ABER: heute bin ich Mami von 2 wunderbaren Kindern.

    Ich möchte allen Frauen MUT machen. Gebt nicht auf, wenn ihr die Kraft dazu habt. Auch nach 5 langen Jahren und 3 Naturkorrekturen kann man das so gesuchte und ersehnte Glück finden.
    Und manchmal findet das Glück uns – ganz unverhofft und überraschend.

    Viel Glück, viel Kraft und ZUVERSICHT an alle die es brauchen.

      Antworten
  • Liebe Franziska,

    vielen Dank für deine Geschichte.
    Es könnte tatsächlich meine sein.
    Im Moment bin ich sehr traurig. Ich war vor 1 1/2 Jahren voller Hoffnung aber nun spüre ich, dass auch diese langsam schwindet.

    Unser Sohn ist nun 2 Jahre und 8 Monate alt. Vor seiner Geburt hatte ich 2 Fehlgeburten. Die Frauenärztin hat mir geraten, mich auf eine Blutgerinnungsstörung untersuchen zu lassen. Außerdem waren mein Mann und ich beim Humanmediziner. Bei beiden Untersuchungen gab es keinen Befund.
    Also haben wir es erneut versucht. Zum Glück wurde ich ein 3. Mal schwanger und wie geschrieben, ist unsere Sohn heute 2 Jahre und 8 Monate alt.

    Als er 1 Jahr alt wurde, haben wir locker begonnen und das „Üben“ angefangen. Im 7. Zyklus wurde ich schwanger. Leider endete diese Schwangerschaft in der 9. Woche. Die Nachricht erhielten wir einen Tag vor Heiligabend. Wir waren wie gelähmt. Ich konnte es nicht begreifen. Diese Schwangerschaft hatte sich so gut angefühlt.

    Meine Hebamme hatte mir geraten, meine Schilddrüse und meinen Vitamin D3 Spiegel kontrollieren zu lassen. Eine Schilddrüsenunterfunktion wurde festgestellt. Guter Hoffnung versuchten wir es nach 6 Monaten erneut. Nun war auch meine Schilddrüse optimal eingestellt.
    Ich wurde wieder schnell schwanger. Aber auch diese endete mit einer Ausschabung.

    Eine Kinderwunschklinik versprach wieder neue Hoffnung. Es wurde eine Biopsie der Gebärmutter durchgeführt. Ohne Befund.
    Eine Blutuntersuchung ergab, dass ein erhöhter Faktor an Killerzellen vorhanden wäre. Ich solle das Medikament Granocyte ab Beginn der Schwangerschaft spritzen. Das haben wir nun 2 Mal getan.
    Beide Schwangerschaften endeten mit einer Blutung in der 6. Schwangerschaftswoche.

    Nun ist auch ein weiterer „Anker“ an den ich mich geklammert hatte keiner.

    Ich verliere leider auch gerade jede Hoffnung. Mein 40. Geburtstag steht dieses Jahr vor der Tür und langsam Frage ich mich auch, ob wir es einfach aufgeben sollen. Heute haben wir uns eine Frist gesetzt. Es zerbricht mein Herz und es tut so weh. Meine Dankbarkeit ist auf der einen Seite unendlich groß. Denn wir haben einen gesunden Jungen. Dennoch spüre ich tief in mir diese Trauer. Ich bin traurig darüber, dass es mit dem Geschwisterchen einfach nicht klappt.
    Ich hätte nie gedacht, dass der Wunsch ein zweites Kind zu bekommen fast so groß ist, wie ein erstes Kind zu gekommen.

    Danke für deine Worte. Nicht allein zu sein mit diesem Gefühl tut irgendwie gut.

      Antworten
  • Vielen Dank für die ehrlichen Worte.
    Mir erging es ähnlich. 4 Fehlgeburten innerhalb von 2 Jahren,zahlreiche Arztbesuche,2 Kinderwunschkliniken..
    Schwanger werden klappte schnell,aber die Schwangerschaft hielt nicht lange an.
    Ich war verzweifelt. Aber Aufgeben war keine Option. Ich wusste,dass etwas fehlte. Also weitermachen..und siehe da: Ungeplant schwanger geworden, und diesmal ging alles gut. Heparin und etwas Kortison in den ersten 12 Wochen. Mein Baby hat es geschafft. Woran es lag,weiss keiner.
    Ich appeliere an alle: wenn ihr das Gefühl habt,dass etwas fehlt,dann kämpft!!!Nicht aufgeben..
    Alles Gute

      Antworten
  • Ich fühle mit und danke dir, für deine Geschichte. Es könnte tatsächlich auch meine sein, denn gerade passiert es das 4.Mal in Folge, gestern hab ich es erfahren, nachdem ich mich wochenlang gefragt habe ob diesmal alles gut wird. Angst hatte vor dem Termin, auf jedes Anzeichen und jede Veränderung geachtet hab, um dann doch eines nachts mit Blutungen aufzuwachen. Ich verstehe nun, dass meine Tochter, die ebenfalls bald 4 wird mein Wunder ist und es bei diesem einen bleiben wird. Denn nochmal gehe ich nicht durch diese Wochen der Angst, so unglaublich gerne ich auch ein zweites Kind gehabt hätte. Das habe ich heute schweren Herzens entschieden.

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  • Vielen Dank für deine Geschichte! Mich begleiten mittlerweile drei Fehlgeburten innerhalb der letzten 5 Jahre, von denen die letzte körperlich die schlimmste war (9. SSW). Ich hatte mich gegen eine erneute Ausschabung gewehrt, aber niemand hatte mich vorgewarnt, welche Schmerzen mich beim natürlichen Abgang erwarten würden. Ich habe sowas nie zuvor erlebt, hatte grausame Krämpfe. Ein paar Tage später zogen wir ins Eigenheim… Ich konnte schlecht laufen, hatte noch starke Blutungen. Psychisch war die Entscheidung dennoch richtig, weil ich Zeit hatte, Abschied zu nehmen.
    Was mich aufrecht hält ist unser kleines Wunder, unsere 2,5-jährige Tochter, die nach der 2. Fehlgeburt mit hormoneller Unterstützung gesund zur Welt kam. Denn es ist genau so, wie du sagst: man begreift erst mit der Zeit, wie groß das Wunder des Lebens wirklich ist.
    Ich habe aufgehört zu denken „bei anderen klappt es doch auch“ oder „bei anderen ist es ganz einfach“. Denn hinter jedem Kind steckt eine Geschichte, die ich nicht kenne.

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  • Ich komme gerade aus der Klinik, meine 2. Ausschaltung, meine 2. Fehlgeburt.
    Wie du schreibst, von dem Wunder und dem perfekten Zeitpunkt, so genau war es. Wir haben 2 Jahre auf dieses Wunder gewartet und mussten es nun schmerzlich gehen lassen.
    Danke, dass du deine Gefühle und Gedanke teilst. Irgendwie ist man ja allein damit, aber wie du schreibst, es gibt Möglichkeiten und ich denke, auch ich werde mir hilfe suchen. Denn das Gefühl, mit unserem drei jährigen Sohn, noch nicht ganz komplett zu sein, das bleibt. Aber ich bin 38 Jahre und weiß nicht, ob ich ein drittes mal herzgbrochen aus der Praxis gehen kann.

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