Der Vater, (m)ein Held


Meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr, als sich mein Sohn aus meiner Umarmung wand und mein Blick endlich von meinen Kindern zum Mann wanderte.

Zum ersten Mal war er mit beiden Kleinen alleine zu Hause geblieben, während ich mich in Porto dem Porto und den wichtigsten Frauen in meinem Leben gewidmet hatte. Das Datum kannten wir seit einem halben Jahr und dass zwei Kinder mehr als den doppelten Aufwand bedeuten, wussten wir dank Dutzenden von Mahnfingern auch schon lange vor der Geburt unserer Tochter. Mann hätte sich also organisieren können – Grosseltern mobilisieren, mit dem Götti auf den Spielplatz (das Gotti weilte mit mir in Portugal und erhielt ihrerseits jeweils live Statusupdates über die Magendarmgrippe ihrer Tochter) oder mit einem der immerhin vier Onkel und Tanten in den Tierpark.

Nichts dergleichen. Zwei Stunden vor Abflug hatte der Mann in meinem Haus noch keinen Plan, und ich den Krampf in der hochgezogenen Augenbraue. “Es geit de scho. Gang itz!” scheuchte er mich über die Türschwelle. Ich gehorchte.

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Geit de scho.

Alle Mütter auf unserem Frauentrip erhielten regelmässig Fotos der Sprösslinge (“Was hat der denn da an? Das habe ich ja noch nie gesehen, das Body!”). Wir fragten dann unsererseits nach, ob es den Kindern denn auch gut gehe und ob die Väter noch etwas wissen müssten – was sie dann auch taten, nämlich ob wir schon so richtig verkatert seien. Fragen zum Baby? Nei merci, geit de scho.

Na dann, ok. Augenbraue runter.

Ich kam also zurück und mir entgegen der Vater meiner zwei Kinder mit einem Grinsen auf den Stockzähnen, ohne Kotze auf dem Pulli und mit einem leichten Swagger in den Hüften. Es sei eigentlich recht easy gewesen, meinte er.

Der Vater als Held von www.anyworkingmom.com
Unser Fels in der Brandung.

Mental verpasste ich ihm einen linken Haken. Ich undankbares, gemeines Geschöpf, das froh sein sollte um einen so wunderbaren, modernen und selbständigen Mann. Ich weiss auch, wieso: Seine Leichtigkeit macht meine Schwierigkeiten klein. Ich freue mich darüber, dass Mann und Kinder eine schöne Zeit miteinander verbracht haben, und gleichzeitig verletzt es meinen Stolz, dass er beispielsweise geschafft hat, was mir zwei Monate lang nicht gelungen war – unsere Tochter im Beistellbettli zum Schlafen zu bringen. Sein Erfolg schmälert meine Leistung. Zumindest in meinem Kopf.

Ein chilenischer Nager hat es nun auch wissenschaftlich bewiesen: Väter sind wichtig. In einer Studie mit Degus an der Uni Magdeburg fehlten den vaterlosen Tieren gewisse Synapsen und sie waren impulsiver. Und Väter machen es anders (oft ein Grund, weshalb wir Mütter am besten nicht daneben stehen sollten), sie sind lockerer und weniger streng – kurz: mit ihnen hat man mehr Spass.

Der Held an meiner Seite

Die Reaktion auf den viertägigen Soloauftritt des Spassmachers rangierte dann auch im Umfeld vom kollektiven “Wow!” zur Erhebung in den Heldenstatus. Mich nervte auch das. Alleine beide Kinder aufs Mal und das ohne Pause – been there, done that. Schulterklopfen für die Mutter? Nö. Ich high-fivte mich höchstens selber.

Ein Gender Gap in der Kinderbetreuung sozusagen – die gleiche Leistung, ein anderer Lohn. Dachte ich. Oder handelt es sich doch etwa, wenn man die Perspektive wechselt, um ein Vorurteil? Traut man es dem Vater grundsätzlich nicht zu, dass er den Laden schmeisst, und macht dann grosse Augen (und Huldigungen), wenn er es eben ganz gut kann? Wohl eher Variante zwei, und ich gebe zu, das ist nun wirklich auch nicht beneidenswert.

Eines gestand er mir dann doch noch. Das mit dem Schlafmangel – jede Nacht zwei- bis dreimal aufstehen und dann eine halbe Stunde Tochter füttern und “düdelen”, bis sie wieder schläft – das sei schon happig. Meinte er nach drei Nächten.

Nach DREI Nächten!

Ich bin versöhnt.

Dieser Text erschien erstmals in der Berner Zeitung, 2014.

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