Mädchen-Förderung ist out? Warum wir es trotzdem tun

Wir erreichen keine Gleichstellung, indem wir die Geschlechterfrage ignorieren. Es braucht ein Bekenntnis zur Mädchenförderung. Das sind die Gründe.

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Aus: Kaleio Nr. 4: «Stehaufmädchen» (© Ewelina Rynkiewicz)

2020 haben wir KALEIO lanciert, das Magazin für Mädchen (und den Rest der Welt). Unser Ziel: Mädchen bestärken, ermächtigen und wertschätzen und ihnen neue Horizonte eröffnen, fern von Genderstereotypen. Denn Mädchensein hat viele Gesichter. Damit sprechen wir ganz vielen Eltern aus dem Herzen, die ihren Töchtern mehr als die eng gesteckten gesellschaftlichen Rollenerwartungen vermitteln möchten. Gleichzeitig erreicht uns auch Kritik: «Ohne Genderstereotype – aber für Mädchen?! Warum macht ihr nicht ein Magazin, das alle anspricht?» Mädchenförderung wirkt veraltet, Genderneutralität lautet der Wunsch. Solange wir allerdings die Gleichstellung der Geschlechter nicht erreicht haben, ist das Empowerment von Mädchen für uns ein wichtiger Teil der Lösung.

Binäre Strukturen beseitigt man auch, indem man sie offenlegt

In der Schweiz leben rund 260 000 Mädchen zwischen 8 und 13 Jahren. Trifft die Prognose des diesjährigen Global Gender Gap Reports zu, werden diese Mädchen ein Europa, in dem Männer und Frauen gleiche Rechte haben, erst im hohen Alter kennenlernen – sofern wir durch Krisen keine Rückschritte erleben. Denn dass selbst Errungenschaften wie das Recht auf Abtreibung nicht in Stein gemeisselt sind, zeigen beispielhaft die aktuellen Entwicklungen in den USA, die durchaus auch in Europa Sympathie finden.

Auch in der Schweiz ist die Gleichstellung von Frau und Mann noch lange nicht erreicht, selbst wenn viele das Thema als erledigt abhaken wollen. Die Zahlen und Fakten sprechen eine klare Sprache, dafür reicht ein Blick in die Statistiken. 

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Quellen: Equal Voice, Schilling-Report, Bfs, Helvetiarockt 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen in vielen Funktionen und gesellschaftlichen Räumen ungesehen und ungehört bleiben. Der nächsten Generation fehlt es dadurch an weiblichen Vorbildern, die aber eminent wichtig sind, weil sie daraus ihren Selbstwert und ihren Platz in der Gesellschaft ableitet. Ein Beispiel aus den eigenen Reihen: Der Vater einer der KALEIO-Gründerinnen war Pilot und sie liebte das Fliegen. Sie wollte darum unbedingt Stewardess werden. Pilotin – auf die Idee kam sie nie. Denn sie sah nur (männliche) Piloten und (weibliche) Stewardessen. Noch heute sind die Chancen klein, dass eine Pilotin uns in die Ferien fliegt. Denn gerade mal 5 Prozent des Cockpit-Personals ist weiblich. 

Schlüsseln wir die Statistiken nicht mehr nach dem Geschlecht auf, kehren wir solche Ungleichheiten unter den Teppich, statt mit dem Finger darauf zu zeigen.

Wie das Patriarchat an unseren Kräften zehrt

Wir setzen uns mit Herzblut für eine vielfältige Gesellschaft ein, in der binäre Strukturen und Rollenerwartungen eines Tages beseitigt sind. Wir befürworten Kitas, in denen die Puppenstube nicht neben der Spielküche in der rosa Mädchenecke steht, während in der Bubenecke die Spielzeugtraktoren ein und aus fahren. Wir sind für eine Erziehung, in der Mädchen und Buben ungeachtet ihres Geschlechts die gleichen Haushaltspflichten haben und gleich viel Taschengeld erhalten. Trotzdem fragen wir uns: Reicht eine genderneutrale Erziehung in einer Welt, die über Jahrhunderte für Männer gemacht wurde? Oder wollen wir unseren Töchtern mit einem zusätzlichen Energieschub unter die Arme greifen?

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Aus: Kaleio Nr. 11: «Erfindungen» (© Katarzyna Doszla)

Wir sind überzeugt, dass alle Kinder mit demselben Mass an Fähigkeiten geboren werden – allerdings nicht mit denselben Chancen. Mädchen und Frauen sind stärker Diskriminierungen unterworfen, die spezifisch mit ihrem Weiblichsein zusammenhängen (man denke etwa an Femizide). Ans Mädchensein sind mehr Sorgen und klarere Erwartungen geknüpft. «Ich war fast ein wenig erleichtert, einen Jungen zu kriegen», berichtete uns neulich eine junge Mutter. «Denn um einen Jungen muss ich mir in dieser Welt weniger Sorgen machen. Ich kann ihm mehr Freiheiten geben.» Wem kommts bekannt vor?

Die Welt ist in vielen Bereichen stärker auf Männer zugeschnitten. Sich darin zu behaupten ist für Frauen unglaublich kräftezehrend. Genau deswegen gibt KALEIO Mädchen eine Extraportion Kraft und Selbstwert mit auf den Weg – nicht weil sie das schwächere Geschlecht sind, sondern weil ihre Kraftreserven häufiger und stärker strapaziert werden. Zum Beispiel jedes Mal, wenn sie gesagt bekommen, «dass das nichts für Mädchen» sei. Wenn sie hören, wie ein Junge als «Mädchen» beleidigt wird. Wenn sie irgendwo lesen oder sehen, wie Mädchen zu sein, wie sie auszusehen oder wie sie sich zu verhalten haben.

Über Mädchen hören wir – ob auf dem Spielplatz, in der Familie oder beim Klassentreffen – Kommentare wie: «Meine Tochter ist gar kein typisches Mädchen» oder «An ihr ist ein Junge verloren gegangen». Wohlgemerkt sind diese Äusserungen nicht mal als Kritik, sondern als Kompliment gemeint! Nicht mädchenhaft zu sein ist im Trend. Dass damit ein ganzes Geschlecht abgewertet wird, ist ein Nebeneffekt, der uns als Feministinnen nachdenklich bis traurig stimmt.

Das Mädchensein wertschätzen

Dieser Abwertung steuert KALEIO entgegen, indem es eine breite und kunterbunte Palette an Lebensentwürfen und weiblichen Akteurinnen zeigt, die ihren Weg so gehen, wie es ihrem Wesen entspricht, und dabei Grenzen sprengen, die ihnen die Gesellschaft nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern beispielsweise auch aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Herkunft auferlegt. Mädchen und Frauen, die handeln und nicht einfach Statistinnen sind. Und statt den Leserinnen ein normatives Schönheitsideal einzutrichtern, ermuntert die Zeitschrift Mädchen dazu, ihren Körper nicht nach dem Aussehen zu beurteilen, sondern Freude und Stolz darüber zu empfinden, was er tagtäglich Wunderbares leistet. 

Kurz: KALEIO bietet in Form eines Magazins einen Raum, in dem sich Mädchen als Freundinnen und Komplizinnen statt als Konkurrentinnen kennenlernen. Einen Raum, wo niemand ihnen sagt, wie sie zu sein haben, sondern wo die Leserinnen eine Welt voller Möglichkeiten kennenlernen und das Mädchensein als etwas Schönes, Positives, Aufregendes und vor allem als etwas individuell Gestaltbares erleben. 

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Foto: AE Krol Photography (© Genossenschaft Kaleio)

Diese aktive Wertschätzung des Mädchenseins, gekoppelt mit Anerkennung und Respekt für weitere Geschlechtsidentitäten, ist unseres Erachtens ein Schlüsselfaktor für eine Gesellschaft, in der eines Tages nicht mehr die Geschlechtszugehörigkeit darüber entscheidet, wer und was man sein darf. Eine solche Welt kreieren wir aber nicht, indem wir das Geschlecht als Kategorie abschaffen. Das wäre, aller Ungeduld zum Trotz, verfrüht und würde genderspezifische Ungleichbehandlungen ausblenden. Vielmehr müssen alle Geschlechter die gleichen Rechte und Chancen sowie die gleiche Wertschätzung erhalten. Dann nämlich haben wir als Gesellschaft die Geschlechterfrage wirklich überwunden. Und das kann ohne Weiteres mehrgleisig erfolgen: Wir können Mädchen in ihrem Selbstwert stärken. Wir können Buben alternative Männlichkeitsbilder präsentieren. Wir können weitere Geschlechtsidentitäten sichtbar machen. Und wir können das mit je eigenständigen Angeboten machen und dabei trotzdem gemeinsam auf dasselbe Ziel hinarbeiten. 

Mit Mädchenförderung die Strukturen verändern

Eine 12-jährige KALEIO-Leserin berichtete uns Folgendes: In ihrer Klasse sollte ein Klassensprecher oder eine Klassensprecherin gewählt werden. Es lief auf die Wahl eines Jungen hinaus. Doch sie hatte den Eindruck, dass die Mädchen dadurch nicht ausreichend vertreten würden. Also schlug sie vor, dass ein Junge und ein Mädchen sich den Posten teilen sollten. Damit traf sie bei ihrer Lehrperson auf offene Ohren. Sie hatte mit ihrem Einwand die Strukturen verändert! Sie hatte dafür gesorgt, dass sowohl Jungen als auch Mädchen gehört werden und so die gesamte Klasse näher in Richtung Gleichstellung rückt. Dass ihre Meinung wichtig ist, hatte sie wiederholt im KALEIO gelesen, dem Magazin für Mädchen – und eben auch für den Rest der Welt.

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Aus: Kaleio Nr. 9: «Regenbogen» (© Anna Moderska)

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