Eine Liebeserklärung an ANY Working Mom

Liebesbriefe erhalten die meisten von uns selten bis nie. Andrea hat sich schon lange wieder mal einen solchen Brief gewünscht, deshalb haben wir ihr hinterrücks einen geschrieben. Voilà.

Der Brief ist aber nicht nur für Andrea. Sondern eben: für ANY Working Mom.

Liebe Any Working Mom

Dich mein ich. Die du da sitzt mit diesem Brief in der Hand, den du eigentlich immer wieder bekommen solltest. Dich, die du da nun liest mit deinen wachen Augen, über die es in deinem Fall fast endlos viel zu sagen gäbe. Zum Beispiel, dass ihre Lebendigkeit und ihre Intensität etwas für dich ganz Typisches — für die Welt aber eher Rares — widerspiegeln: das ungespielte, echte Interesse an deinem Gegenüber.

Wenn ich mit dir spreche, weiss ich, dass du zuhörst, dass du da bist. Das ist mehr wert, als es dir vielleicht bewusst ist. Vielleicht merkst du noch nicht mal, wie sehr du da bist (und machst drum jetzt beim Lesen dein Schlechtes-Gewissen-Müüli), weil du zeitgleich zu allem immer auch noch mentale To-do-Listen abarbeitest, Geschenkideen sortierst und zuordnest und überlegst, was es heut zum Znacht geben könnte.

Deinen Augen ist das aber egal. Sie sind immer wach. Auch ohne Schlaf. Auch wenn es hintendran rattert. Deine Augen fangen auf, wer auch immer dir gegenübersitzt. Sie blitzen, wenn du inspiriert bist. Und sie werden zu schmalen, gletscherblauen Schlitzen, wenn es dich vertätscht. Das mag ich so.

Ich mein aber auch dich, any working Mom, du gschaffige Mutter.

JEDE gschaffige Mutter.

Dich, die du da stehst, für einmal kurz mit zwei freien Händen, die nicht kleben. Dich, die du da an deinem Laptop sitzt. Oder dich, als einzige a) noch b) schon c) ständig wach in der Dunkelheit, deren Augen im Schein ihres Smartphones jetzt auf den Bildschirm schauen und lesen.

Dich meini. Ich sehe dich.

Ich sehe, wie viele Gedanken du dir jeden Tag aufs Neue machst, damit alles für alle möglichst reibungslos klappt, bevor dein eigener Tag überhaupt beginnen kann.

Ich sehe, wie du 189 – und ich meine wirklich HUNDERTNEUNUNDACHTZIG – Mal dieselbe Geschichte erzählst.

Ich sehe, mit welcher Beflissenheit du im Malbuch eine Figur ausmalst, wohl wissend, dass deine wettbewerbstauglichen Regenbogenlinien demnächst von einem rohen Neocolor übermalt werden.

Ich sehe, wie du dabei lachst. Und wie schön du dabei aussiehst.

Ich sehe dich.

Ich sehe, wie du fremde Schnuderflecken auf der Bluse so präsentieren kannst, dass am Ende selbst Bree Van De Kemp Geld für dein Outfit hinblättern würde, nur um ein bisschen von deiner Ausstrahlung abzubekommen.

Ich sehe, wie du fünf Tage in Folge mit Kinder-Showergel duschst, weil es für alles reicht, nur nicht, daran zu denken, dass du dein eigenes Duschgel wieder kaufst.

Ich sehe, dass du auf viel zu wenigen Fotos selbst mit drauf bist.

Ich sehe, dass du eigentlich keine Hand mehr frei hast und das Trotti trotzdem auch noch mitschleifst.

Ich sehe, wie du dir immer und immer wieder die Rolle des Springers zuteilst; wie du zusätzlich zu allem auch noch an die Chübelsäcke und den Zahnarzttermin, an die Ufzgi, deine traurige Freundin und an den Kuchen denkst.

Ich sehe, wie schwer deine Einkaufstasche ist.

Ich sehe, wie dir die Sprache in diejenige deiner Jugend entgleist, wenn du dich endlich ins Bett legen willst und merkst: Huere gopfetami, deins ist noch gar nicht wieder angezogen. 

Ich sehe dich. Und ich liebe, was ich sehe.

Ich weiss, dass du manchmal denkst, du seist nicht mehr so cool. So fit. So modisch. So parat.

Lass mich dir aber etwas vorrechnen: Du machst mindestens dreimal so viel mit dreimal weniger Zeit als früher, fast ganz ohne darauf zu achten, was jemand anders davon halten könnte.

Du bist drum viel mehr du als je zuvor.
Und das ist so gut, denn du bist das Allerbeste.
Und je mehr davon – je mehr du – umso schöner für die Welt.

Danke drum für alles.

Und am meisten fürs Du-sein.

Autorin

Livia Seiler heisst im richtigen Leben nur fast Livia Seiler und hat nach zwei Kindern auch nur noch halb so viele Haare wie auf diesem Foto. Weil sie nicht möchte, dass bei Google zu ihrem Namen als erstes Füdliloch-Zeichnungen und andere Intimitäten auftauchen, schreibt sie unter einem Pseudonym. Streng geheim ist ihre wahre Identität nicht, drum findet man sie zum Beispiel als oh_olives auf Instagram. Sie ist Mutter von zwei Töchtern; und wenn die mal zeitgleich schlafen, schreibt sie (ihre Bücher gibt’s bei uns im Store – hier und hier!) oder sucht ihren Schlüssel.

Weitere Beiträge von Livia Seiler:

Welcher Mutter-Typ bist du?

Der grosse Wettbewerb des Leidens und Strenghabens

Häusliche Gewalt: Plötzlich ein Teil meines Lebens

Meine Mariske: Nichts Schickes, Französisches. Au Contraire.

Kafikasse_Any_Working_Mom

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8 Kommentare zu “Eine Liebeserklärung an ANY Working Mom

  • Oh Livia 🙂 Mir treibt es das Pipiwasser in die Augen, wenn ich dran denke, dass Du das für Andrea geschrieben hast, wenn ich dran denke, wie es Andrea liest und ich kriege feuchte Augen, wenn ich es als an mich adressiert lese! Wir sollen uns alle VIEL MEHR LIEBESBRIEFE schreiben! Gleich schon in der Mental Load notiert (haha!).
    Denn der wichtigste Mensch, den es geben sollte, ist der, der grad gegenüber sitzt. Danke Dir! (ach… schwelge immer noch… soooooo schön!!)

      Antworten
  • Oh Livia 🙂 Mir treibt es das Pipiwasser in die Augen, wenn ich dran denke, dass Du das für Andrea geschrieben hast, wenn ich dran denke, wie es Andrea liest und ich kriege feuchte Augen, wenn ich es als an mich adressiert lese! Wir sollen uns alle VIEL MEHR LIEBESBRIEFE schreiben! Gleich schon in der Mental Load notiert (haha!).
    Denn der wichtigste Mensch, den es geben sollte, ist der, der grad gegenüber sitzt. Danke Dir! (ach… schwelge immer noch… soooooo schön!!)

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  • Vielen Dank für diesen Brief! Das brauchte ich gerade… musste gestern mit ansehen, wie meine Tochter gestürzt ist, sich eine Platzwunde an der Schläfe zugezogen hat worauf wir ins Spital mussten zum nähen. Sie ist erst 3.5 Jahre alt. Und das alles nur, weil wir auf einem chilbikarussell bei regen unterwegs waren, ich ihre hand gehalten habe dann aber leider ausgerutscht bin und sie unwillentlich mitgerissen habe. Mir steckt der Schock noch in den Knochen, obwohl es hätte schlimmer sein können und Ihr schonwider gut geht. Die schuldgefühle die ich mir mache sind enorm. Denke seit gestern nur noch: wegen DIR ist sie gestürzt, DU bist schuld. Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich das verarbeitet habe. Euer Brief hilft mir vielleicht dabei. danke

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    • Liebe Alexandra
      Sei nicht so hart zu dir. Deiner Tochter geht es anscheinend wieder gut. Hast DU dich verletzt?
      Auch wenn es kein Trost ist: meine Jungs sind so extreme Wildlinge. Einer stürzt immer. Gross werden ohne zu stürzen, ist nur halb so cool.

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