Loslassen üben: Tschüss, geliebte Kinderwörter

Augenringe, tief und tiefer. Gefühlstornados, Nervenflattern, Beziehungsknatsch, Versagensängste. Stahlharter Brei am Babysitz, zermantschtes Irgendwas auf meinen Kleidern. Tage, so lang und zäh und doch zu kurz zum Duschen.

All das weiss ich noch genau.
All das und viel mehr.
All das gehört zum Elternsein von Kleinkindern.
All das werd ich nicht vergessen.

Aber mein Gehirn wird manche Erinnerungen pastellig übertünchen, merci.

Ich liebe Nostalgie. Das bittersüsse Sehnen ist ein Schmerz, den ich ab und zu bewusst suche. Und drum habe ich kürzlich wieder meine Liste von Kinderwörtern hervorgeholt. Von Wörtern, die uns eine gewisse Zeit begleitet haben und dann – schwupps – plötzlich vom korrekten Begriff abgelöst wurden. Es tat ein bisschen weh, dieses Durchlesen und Erinnern. Das Bewusstmachen von Vergänglichkeit.

Loslassen finde ich schwierig. Manchmal befreiend, manchmal beklemmend, immer herausfordernd. Also tunke ich mich gelegentlich extra ins Nostalgie-Fass, um mir immer wieder bewusst zu machen, dass die Zeit rast und das Loslassen unweigerlich kommt. Dass ich den Moment geniessen darf.

Forschungen aus dem Bereich Psychologie weisen sogar darauf hin, dass Nostalgie positive Effekte hat. Auch dann, wenn wir einen schönen Moment erleben und sofort einen kleinen vor-nostalgischen Stich spüren. Das erinnert uns offenbar daran, die Gegenwart wirklich auszukosten.

Falls euch das auch gut tut: Wir haben bei uns im Newsletter nach liebgewonnenen Kinderwörtern gefragt und präsentieren hier die Ergebnisse.

Wir haben so viele Beispiele erhalten, dass ich mich hier nur auf die Nomen beschränke. Zuerst wollte ich ja einen Text aus all diesen Wörtern erstellen, aber es ergab ein unverständliches Durcheinander. Und ich denke, wir alle sind geistig genug ausgelastet mit kindlichen Erklärungen rund um Pokémon-Superkräfte, Greg-Witze oder unser peinliches, abwegiges oder unfassbar unfaires Verhalten.

Die Liste eurer Lieblings-Kinderwörter:

Essen:

Papponi (Peperoni)
Bikack (Zwieback)
Gäbäguja (heisse Bouillon)
Luluuk oder Jorgug (Joghurt)
Raschigs-Überei (Überraschungsei)
Knirpsli (Erbsen)
Nasun (Ananas)
Pisketti (Spaghetti)
Happy-Stock (Kartoffelstock)
Lasami (Salami)
Fleischgummi (Wurst)
Todotz (Ketchup)
Gapgäie (Teigwaren)

Tiere:

Snäbelin (Schmetterling)
Pimelil (Pinguin)
Plappergei (Papagei)
Tinte Kajüte (Tentakel)
Pummul (Hummel)
Narber (Marder)
Schlafguet (Schaf)
Hoidu (Löwe)

Kleidung:

Liläluss (Reissverschluss)
Bumpfhose (Strumpfhose)
Kotzkotz (Latzhose)
Kupse (Kaputze)
Bummbipfel (Gummistiefel)

Möbel:

Schueh chrank oder Schüehlchrank (Kühlschrank)
Gumpolin (Trampolin)
Heihei (Bett)
Tungheiss (Backofen)

Weiteres:

Chlamisaus (Samichlaus)
Fernsehdienig (Fernbedienung)
Iututer (Fernseher mit Youtube)
Spickgoingele (Drahtfeder)
Lillifee (Frühstücksbüffet)
Blapier (Blatt Papier)
Grimmaske (Grimasse)
Nigelknackser (Nagelknipser)
Therminator (Fiebermesser)
Chreisomeli (Kreis)
Sippenomade (Lippenpommade)
Nonno (Nuggi)
Pilzstift (Filzstift)
Hacker (Tacker)
Geheimniskeit (Geheimnis)

Autorin

Anja Knabenhans ist die Chefredaktorin von Any Working Mom. Sie war viele Jahre als Journalistin bei der NZZ und macht heute ihr eigenes Ding mit der ding ding ding GmbH.


Kafikasse_Any_Working_Mom

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