Kinder vs. Hühner – was lohnt sich mehr?

ssen es immer Kinder sein? Nicht unbedingt: Hühner legen Eier und gehen ohne Murren ins Bett. Aber sie haben auch einige schwerwiegende Nachteile.

Unser Autor ist beides: Vater und Hühnerhalter. Und er wagt einen schonungslosen Vergleich.

Punkt 1: Platzanforderungen

Kinder haben den eklatanten Vorteil, dass sie im Haus gehalten werden können. Anders als in der Hühner-Literatur werden in Kinder-Ratgebern selten Quadratmeter-Angaben gemacht, aber wir alle wissen: Ein schönes Kinderzimmer trägt zum guten Gedeihen bei, auch wenn es regelmässig zum Saustall gerät.

Indoor-Haltung bei Hühnern ist zwar möglich, aber verwerflich. Zudem hat die Schweiz als erstes Land der Welt am 1. Januar 1982 die Batteriehaltung verboten, also sogar noch neun Jahre bevor die Frauen in Appenzell Innerrhoden aus ihrer politischen Käfighaltung befreit wurden.

Aber wir schweifen ab. Eben: Für Hühner braucht es zwingend einen Garten. Wie gross? Da bestehen Parallelen zum Kinderzimmer: Ein schöner Garten trägt zum Gedeihen bei. Die Hühner-Literatur gibt freundlicherweise ziemlich klare Quadratmeter-Angaben:

  • Stall: 1 m² für 3-4 Hühner
  • Auslauf: 10 m² pro Huhn

Man kann sich selber lieb sein, den Hühnern genügend Fläche zu bieten – denn sonst verwandelt sich der grüne Rasen subito in ein braunes Kackfeld.

Kinder vs. Hühner: 1:0

Punkt 2: Zeit

Klarer Pluspunkt für die Hühner. Mit Hühnern gibt es keine Kita-Elternabende, keine Räbeliechtli-Umzüge, kein stundenlanges Verharren auf dem Spielplatz, kein geduldiges Brei-Reinschaufeln. Hühner sind Nestflüchter und schon ab der ersten Minute auf dem Niveau eines 6-jährigen Kindes – jetzt mal rein auf die Selbständigkeit bei der Verrichtung der Grundbedürfnisse bezogen.

In der Tat kann man sich das Leben ziemlich leicht machen, indem man sich ein elektrisches Schiebetor, einen Futterautomaten und eine am Frischwasser angeschlossene Wassertränke beschafft. Der Aufwand beschränkt sich danach hauptsächlich auf:

  • Kotbrett und Wassertränke säubern (alle 2, 3 Tage)
  • Futter auffüllen (jede Woche)
  • Stall misten (einmal im Monat)

Bei den Kindern sieht es bekanntlich etwas anders aus, da der Einsatz von elektrischen Schiebetoren und Futterautomaten nicht opportun ist – es sei denn, man sucht Beef mit der KESB.

Kinder vs. Hühner: 1:1

Huhn
Huhn (aber nicht Kind) des Autors. Bemerkenswert auf dem Bild: seltenes Mechelnerhuhn, eine traditionelle Zwienutzungsrasse. Bild: zvg.

Punkt 3: Die richtige Anzahl?

Gute Frage, wichtige Frage. Ich verfüge über zwei Kinder und fünf Hühner – aber da muss jede und jeder seine eigene Zauberformel finden. Das umgekehrte Verhältnis wäre bestimmt auch erfüllend, man muss sich dann aber auch nicht wundern, ständig dem Brüderverein zugeordnet zu werden.

Kinder vs. Hühner: 1:1

Punkt 4: Kosten

Bis zum 20. Lebensjahr zahlen Eltern 361 920 Franken für zwei Kinder, rechnet das Bundesamt für Statistik. Haben sie drei Nachkommen, ist es fast eine halbe Million Franken. Da kommt man mit Hühnern definitiv günstiger weg.

Es gibt aber auch hier Parallelen: In beiden Kategorien werden die Kosten zu Beginn unterschätzt. Bei den Kindern sind es die pubertären Ansprüche in Sachen Telekommunikation und Schuhwerk, bei Hühnern eher die elektronischen Futterautomaten und der ganze reizvolle Karsumpel, den die Hühnerindustrie feilbietet.

Kinder vs. Hühner: 1:2

Punkt 5: Ökologischer Fussabdruck

Man kann noch so oft im Unverpackt-Laden einkaufen gehen und eine 12-stündige Zug-Tortour nach Italien auf sich nehmen – die Klima-Belastung eines gezeugten Kindes gleicht man damit nie mehr aus. Wer auf ein Kind verzichtet, spart 58,6 Tonnen CO2 pro Jahr ein, hat eine Studie der Universität Lund errechnet. Zum Vergleich: Das Auto sein zu lassen, bringt eine Ersparnis von 2,4 Tonnen.

Wer dagegen Hühner hält, tut etwas für Klima. Eine Sechserpackung Bio-Eier von Freilandhennen aus dem Grossverteiler weist eine CO2-Belastung in Höhe von 1,2 Kilogramm auf. Hühner aus dem eigenen Garten sind bestimmt auch nicht CO2-neutral (beispielsweise wegen des gekauften Futters), aber sie haben einen tieferen Kohlenstoff-Dioxid-Ausstoss.

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Punkt 6: Schäden am Mobiliar

Auch hier wieder ein Strichli auf der Haben-Seite der Hühner.

Kinder sind Rambos, nur dank ihrer zuckersüssen Reueblicke verzeihen wir ihnen, dass sie das neue, beige Sofa mit dem Marker-Stift verziert haben. Hühner haben keine Augenlider und scheinen daher meist ziemlich teilnahmslos bis vertrottelt, was beim Menschen kein grosses Empathie-Gefühl auslöst.

Ausser dem grünen Rasen zerstören Hühner aber relativ wenig.

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Punkt 7: Zu Bett gehen

Der Biorhythmus ist vergleichbar. Hier folgt jedoch ein grosses Aber: Hühner klettern ohne Gejammer auf ihre Sitzstange, verlangen nach keiner Gute-Nacht-Geschichte und kriechen des Nachts auch nie ins Elternbett.

Kinder vs. Hühner: 1:5

Punkt 8: Ökonomischer Rücklauf

hner legen Eier – und Eier aus dem eigenen Garten schmecken einfach besser. Das ist auch von blossem Auge zu erkennen: Der Eidotter verrät nämlich, ob ein Huhn glücklich ist. Satte, orange Dotter zeugen von viel Kräutern und Grünzeugs.

Allerdings ist die Industrie ausgefuchst: Sie füttert den Hühnern Farbstoffe – daher weisen die Bio-Eier im Grossverteiler paradoxerweise häufig eine bleichere Dotterfarbe auf als konventionelle Eier. Die Verfütterung von Farbstoffen in der Bio-Haltung ist nämlich verboten.

Aus den Hühnern kann auch schmackhaftes, tiergerecht gehaltenes Poulet werden. Selber schlachten ist nicht für alle etwas. Es ist anstrengend und kostet Überwindung. Aber ich finde auch: Wer selber ein Tier tötet, um es zu essen, konfrontiert sich mit seinem eigenen Fleischkonsum.

Für jede Schinkenscheibe im Sandwich ist eine Kreatur gestorben. Die Lebensmittel-Industrie gibt sich allergrösste Mühe, die grausige Realität zu verbergen – diese würde vielen den Appetit verderben. Daher plädiere ich für die Konfrontation. Auch Kinder sollen mitbekommen, dass die Hühner nun geschlachtet werden – auch wenn ich persönlich ihnen die blutigen Momente ersparen würde.

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Punkt 9: Emotionaler Rücklauf

Die Hühner liegen bis jetzt in unserem zugegebenermassen fragwürdigen Vergleich meilenweit voraus. Dieser Punkt geht aber klar an die Kinder und wiegt so schwer, dass die Hühner nie aufholen können. Das mag nicht für alle Menschen gelten, aber für mich schon:

Kinder sind das Beste, was mir im Leben passieren konnte.

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Kind und Huhn: Ist beides möglich?

Mein Cousin antwortete einst auf die Frage, ob er lieber ein Schlagzeug oder eine Trompete zu Weihnachten wolle, mit einem Klaren: Beides. Eine sinnvolle Einstellung, wie mir scheint – auch im Bezug auf Hühner und Kinder.

Autor

Simon JäggiSimon Jäggi (39) lebt in Bern, hat zwei Kinder und ist Co-Halter von fünf Hühnern. Er arbeitet im Naturhistorischen Museum Bern und ist Frontmann der Berner Band Kummerbuben.

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