Eltern werden: was sich wirklich verändert


Man sagte mir, mein Leben würde sich auf den Kopf stellen. Nichts wäre mehr beim Alten, wenn das erste Kind kommt.

Das ist nicht falsch – es wird anders. Nur nicht so, wie prophezeit. Die Freunde bleiben dieselben, die Interessen auch, der Ehrgeiz verschwindet nicht mit der Entbindung. Doch dann bin ich Mitglied eines Clubs geworden, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass es einer ist: Eltern.

Ganz plötzlich ist man Clubmitglied. Und ja, man lernt die Welt neu kennen.

Vom “Muffintop” bis zur “Social Mom”

Folgende Erkenntnisse habe ich in den letzten 18 Wochen zusammengetragen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Unter Müttern grüsst man mit Kinderwagen ähnlich wie mit dem Töff, ohne Winken dafür mit einem angedeuteten Lächeln und einem kurzen Check: wie alt ist das Baby? Wie gross noch der Bauch? Auch Mamis sind fies.
  • Der schlabbrige Rest vom ehemals prallen Mutterbauch nennt sich „Muffintop“, wie das „Güpfli“, das bei einem Muffin oben über den Papierförmlirand quillt. In der Rückbildung will man diesen Muffin loswerden, um sich wieder als „yummy mummy“ zu fühlen. Dauert bei Gisele Bündchen drei Wochen, beim Rest von uns 30. Weil wir eben diesen Muffin beim Kafi nach der Rückbildung verdrücken. Und nicht dieselben Gene haben wie Gisele.
  • Als Mutter wird man anders wahrgenommen. Von Twens ernte ich mitleidige Blicke, für Bauarbeiter bin ich unsichtbar geworden. Und für die Banker, die in den alten Zürcher Trams sicher nicht noch einen Kinderwagen rauslüpfen helfen wollen, bin ich der schlimmste Alptraum…
  • Den ich übrigens verlange. Was wiederum der Beziehung viel abverlangt. Kleiner Gag für’s nächste Treffen mit jungen Eltern: Fragen Sie doch einfach mal, ob „die Beiden“ zum Schlafen kämen. Und beobachten dann während seiner Antwort ihr Gesicht.
  • Das mit dem Schlafen ist sowieso die halbe Miete. Der Vater schläft meist wie ein Baby. Oder macht Wettbewerbe mit diesem: wer schläft schneller ein? Er gewinnt immer.
  • Ich bin nicht nur eine yummy mummy, sondern auch eine „social mom“. Per Definition Mütter, die sich aktiv in sozialen Netzwerken beteiligen. Ich tue das auf Twitter, andere verwirklichen sich in den unzähligen Foren im Netz. Und um die kommt man nicht herum, sobald man sich mal wieder fragt, wie machen das eigentlich die anderen Mütter?
  • Antwort: Sie machen es natürlich viel, viel besser. In jedem Forum findet sich mindestens ein Eintrag von einer Blog-Übermutter, der den Zweck hat, die anderen Leserinnen möglichst klein zu machen und der folgendermassen daherkommt: „Das (beliebiges anstrengendes Thema hier einsetzen) gehört halt dazu, wenn man ein Kind kriegt! Also ICH habe mein Kind im Kopfstand (gestillt / gewiegt / gefüttert etc.) bis es 18 wurde und habe mich dabei NIE beklagt… “
  • Dini Mueter! Fresse halten! Klappe! ZIP-IT! Mutter und Vater sein ist nämlich verdammt anstrengend. Keine Diskussion. Vom Individuum-Modus plötzlich umzustellen auf „Verantwortung-für-zwei“ ist schwierig, und wer Anderes behauptet, hat vorher etwas verpasst. Das egoistische Ich hat plötzlich keinen Platz mehr in dieser Welt, es hat Konkurrenz gekriegt, denn da gibt es jemanden, den man noch mehr liebt als sich selbst.

Im Elternclub zu sein macht stolz, macht Angst, macht erwachsen. Ja, das Leben hat sich doch grundlegend verändert, seit unser Sohn da ist: Es hat einfach plötzlich viel mehr Sinn.

Dieser Text wurde im Oktober 2012 erstmals in der Berner Zeitung veröffentlicht.

#daschamebruche aus unserem Concept Store

zu den Kommentaren

DAMIT DU WEISST, WAS LÄUFT

Abonniere jetzt unsere persönlichen Newsletter und erhalte als Dankeschön unsere

Familien-Packliste für Skiferien!

Wir bewahren deine Daten sicher auf und teilen sie nur mit Drittanbietern, die diesen Service ermöglichen. Mehr Infos in unserer Datenschutzerklärung.

14

14 Kommentare zu “Eltern werden: was sich wirklich verändert

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Warenkorb

loader