Camping – von Schlafsäcken, Stirnlampen und Schlamasseln

Ich bin ein gigantischer Tüpflischisser.

In Hotels. Wieso ist in einer 5-Sterne-Suite (die ich nur besichtigte) der Parkett lausig verlegt? Warum sehen Frühstücksbuffets oft so aus, wie wenn sie von einem angepissten Teenager arrangiert worden wären? Woher stammen all die uralten Nachttischlampen? Wie kann es noch Hotelzimmer mit einer einzigen zugänglichen Steckdose geben – woran die uralte Nachttischlampe hängt? Und was ist das für ein fieser Teppich???

Clevere Innenausstatter…

Aber beim Camping ist mir alles wurscht. Weil ich das einfach liebe: Das Zelt aufstellen und jedes Mal wieder vergessen, wie’s am einfachsten ging. Auf dem Boden essen und immer behaupten, mein Mann habe gerade das feinste Outdoor-Gericht aller Zeiten gezaubert. Abends in den Schlafsack kriechen, mit der Stirnlampe lesen und beim Naschen alles vollkrümeln. Nachts barfuss aufs WC tippeln und sich zum Beispiel in Kanada fast in die Pischi-Hose machen aus Angst vor den Bären. Morgens von der Sonne geweckt werden oder von irgendeinem Sehrfrühaufsteher, der über die Zeltschnüre stolpert.

Hach, es gibt nichts Schöneres als Camping. Finden auch die Kinder. Familien-Camping kann grossartig sein:

 Camping ab Geburt

Mit ihrem Campervan reist eine junge Familie am liebsten. www.anyworkingmom.com
(Bild: Mattis Grünewald)

Anna und Mattis verbringen ihre Ferien und Wochenenden am liebsten in ihrem Camper-Van. Seit sie Eltern von Jo (2) sind, darf es gerne auch mal etwas weniger abgelegen sein und vielleicht sogar mit Toilette in der Nähe. Und seit sich Jos Liebe für Tiere und Traktoren verfestigt, campen sie am allerliebsten auf Bauernhöfen. Von dort aus geht es auf Entdeckungstour, es wird grilliert und dann im Van gut geschlafen. Das klappt prima, schliesslich hat Jo einige seiner ersten Nächte genau so verbracht.

Tipp: Wer gerne abseits der Massen verreist, findet auf der Schweizer Buchungsplattform Nomady wunderschöne und naturnahe Camping- und Zeltplätze von privaten Gastgebern – in der Schweiz, Italien, Deutschland, Frankreich, Österreich, Spanien, Portugal und Dänemark. Und dank der Bewertung anderer Reisenden kann man sich schon im Vorneherein ein Bild machen, was einen erwartet.

Damit ist man auch vor der einen oderen anderen bösen Überraschung gefeit. Ich habe nämlich schon einige Storys von Camping-Schlamasseln gehört:

Mama als Schleppesel

Schön heimelig oder schon unheimlich?

Sarina (4) und Lotta (6) wollen unbedingt im Wald zelten. Ihre alleinerziehende Mutter Nora denkt: “Toll, das wird uns allen gut tun! Natur und Nähe!” Männliche Kollegen bieten ihre Begleitung an. Nicht, weil sie Nora das Zeltaufstellen, Feuermachen und so nicht zutrauen würden. Sondern weil Zelten mit zwei kleinen Kindern vermutlich anstrengend ist. Die Mutter aber findet: Nein, selbst ist die Frau, und lehnt die Hilfsangebote ab. Alles klappt ganz wunderbar, die Mädchen helfen, wo sie können, und haben irrsinnige Freude am Waldabenteuer.

Bis es Nacht wird. Plötzlich hören sie von der anderen Seite der Zeltwand nur noch beängstigende Geräusche, schrecken bei jedem Knacksen zusammen, weinen, kreischen – an Schlaf ist nicht zu denken. Und ans Dortbleiben auch nicht. Also stapft Nora die zwei Kilometer heim, Lotta klammert sich an ihren Rücken, Sarina trägt sie vor dem Bauch. Mitten in der Nacht quer durch den Wald, mit der Smartphone-Taschenlampe als einzige Lichtquelle. Natur und Nähe, ja – aber not very lässig.

Tipp: Das Bilderbuch Hör mal: Im Wald als Vorbereitung zusammen anschauen und die verschiedenen Geräusche kennenlernen. Genau das hat Nora mittlerweile probiert, mit Erfolg. Natürlich gibt es auch drölfundzwanzigtausend Youtube-Filmchen mit Waldaufnahmen. Wenn die Kinder keine Angst mehr vor nächtlichen Geräuschen haben, bräuchte es aber trotzdem eine gute Taschenlampe – am besten eine Stirnlampe, damit man beide Hände frei hat, auch wenn’s nicht zum Kinderschleppen sein muss.

Love is in the Air

Vacca, vegano – ach, einfach irgendwas mit V.

Zwei Tage vor den Campingferien in Süditalien schlägt er zu. Amor hat Mario (13) voll erwischt. Seine Liebste lebt vegan, drum will Mario das jetzt auch, klar. Leider hat die Familie nur eine Pfanne und einen Grillrost eingepackt – für Pasta und Fleisch genügte das in den letzten Jahren immer, dazu gab’s viel Salat und Rohkost. Jetzt aber will Mario haufenweise Gemüse und vegane Gerichte kochen. Weil der Rest der Familie sich seinem Ernährungsdiktat nicht unterwirft, gibt es ständig Zoff. Mario ist noch launischer als früher, was vielleicht auch mit der abrupten Ernährungsumstellung zu tun hat. (Findet er natürlich gar nicht.)

Eines Abends kommt der Teenager nicht zur Essenszeit vom Strand zum Stellplatz zurück. Man sucht nach ihm, erst nur die Eltern und die Geschwister, dann der halbe Campingplatz. Angst macht sich breit, weil der Junge wie vom Erdboden verschluckt scheint. Bis man ihn in einem Wohnwagen entdeckt, am Tisch einer alten Italienerin. Sie fand, der Bursche sehe bekümmert aus – und dagegen hilft nach italienischem Verständnis etwas am besten: Essen.

Drum bekochte sie ihn ausgiebig – vegan, wie Mario mit einem Seitenblick auf seine Eltern verkündet. “Si, si”, bekräftigt die Donna. Dieses Wort “vegano” habe sie zwar noch nie gehört. Aber der Junge könne ja auch nicht so gut italienisch. Also habe sie angenommen, er meine “vacca”, Kuh – und habe einen Auflauf mit Kalbfleisch-Würfelchen gemacht.

Mario hielt die leckeren Stückchen für Tofu und schmollt zehn Tage bis zur Heimreise. Die Familie wird von den anderen Camper:innen schief angeguckt, weil sie eine unnötige Suchaktion lanciert hatte.

Tipp: Mit einem Reise-Partygrill werden viele Geschmäcker befriedigt. Solche Geräte haben mehrere verschiedene Kochflächen zum Grillen und Braten, sowie einen Deckel, der als Wok verwendet werden kann. So gibt’s auch unterwegs ein bisschen Abwechslung.

Schlimmes Örtchen

Zweckoptimismus…

Ida (3) hat eben erst gelernt, aufs WC zu gehen, sie platzt immer fast vor Stolz und will keinesfalls von den Eltern gehalten werden. Aber auf der Camping-Tour durch Spanien erwischt die Familie oft Zeltplätze mit katastrophalen Sanitäranlagen. Die Toilettensitze sind teilweise zerbrochen, meistens verdreckt. Tobias (7) weigert sich, diese WCs für mehr als ein Pinkeln im Stehen zu benutzen und bekommt eine schlimme Verstopfung, muss zur Ärztin. Ida sitzt unbekümmert auf jeden Toilettenring – und hat ab dem vierten Tag permanent Durchfall, muss ebenfalls zum Doktor.

Tipp: Toilettenauflagen aus Plastik sind vom ökologischen Standpunkt her schlecht, ich weiss. Wir sollten die Welt schützen, in die unsere Kinder geboren werden. Aber im Gegensatz zu der “WC-Papier auf dem Ring Verteilerei”, die viele Menschen unterwegs praktizieren, lassen sich diese Notfall-Auflagen am Ring festkleben, so dass mehrere Leute nacheinander draufsitzen können und Kleinkinder nicht runterrutschen. Alternativ gibt es auch kompostierbare Toilettenauflagen.

Haters on Tour

Ach, ich mag zu denen gar nichts sagen.

Man dürfte ja annehmen, dass als Familiencamping angeschriebene Plätze all diejenigen Leute abschrecken, die Kinder nicht mögen. Tja … Weil solche Campings oft wunderschön gelegen sind, in guter Fussdistanz zum Meer zum Beispiel, wollen auch die Kinderhasser:innen dort logieren. Natürlich würden sie nie äussern, dass sie Kinder blöd finden. Sie sagen lediglich Dinge wie “Kinder stören mich eigentlich gar nicht, ABER…” – und dabei kommt heraus, dass die Kids einfach immer leise und artig, nicht verrotzt oder trotzig, schmutzig oder ungeduldig sein müssten, dann könnte man schon mit ihnen.

Meistens kann man die abschätzigen Blicke und dahingezischten Kommentare solcher Hater ignorieren. Aber Familie Ebnöther erlebte in Frankreich den Camping-Horror mit einer Gruppe von Senior:innen – drei Ehepaaren, die auf den ersten Blick zuckerwattig lieb wirkten. Ab Tag 1 beschwerten die Alten sich über die drei Kinder der Ebnöthers. Zu laut, zu unruhig, verzogen, frech, grausam zu Tieren (weil die Kinder vom elektrischen Mückenkiller fasziniert waren), diebisch (weil sie bei anderen Familien Sändeli-Zeug holten, übrigens mit deren Erlaubnis)… die Vorwürfe wurden immer zahlreicher und absurder.

Die Senior:innen motzten beim Platzwart, im Dorfladen, beim Animationsteam. Egal, wo die Familie hinkam: Man schaute sie schon kritisch an, verweigerte ihnen teilweise Dienstleistungen wie eine Reitstunde für die achtjährige Tochter.

Die Ebnöthers versuchten es zuerst mit einem klärenden Gespräch – erfolglos. Eben: “Wir mögen Kinder ja grundsätzlich sehr, ABER…” Was nun? Weil die Kinder sich nicht mehr wohl und von allen beobachtet fühlten, kehrte die Familie frühzeitig heim. Man hatte nämlich für zwei Wochen verbindlich gebucht und kein zusätzliches Geld für einen Standortwechsel.

Tipp: Ich wünschte, ich hätte einen vernünftigen Ratschlag. Aber gegen solche Menschen, die lieber Gift rumspritzen statt auf Augenhöhe zu diskutieren, ist man irgendwie machtlos. Drum kann ich nur raten: Bei sich selber aufräumen, dass man selbst und der Nachwuchs nie so grantlig wird. Dabei hilft dieser Podcast: Wie fülle ich den emotionalen Rucksack meines Kindes nicht (zu sehr)?

Falls ihr ebenfalls Tipps fürs Familiencamping oder für den Umgang mit solchen ****** habt, freuen wir uns über Kommentare!

Full Disclosure: Ein Teil des Artikels ist Werbung für Nomady.ch.

Autorin

Anja Knabenhans ist die Chefredaktorin von Any Working Mom. Sie war viele Jahre als Journalistin bei der NZZ und macht heute ihr eigenes Ding mit der ding ding ding GmbH.

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